AMR26 2026: Erstmals seit 2004 entwickelt Aston Martin ein eigenes F1‑Getriebe. 100 Prozent nachhaltiger Aramco‑Kraftstoff und aktive Flügel: Was das Reglement 2026 vorschreibt und was es offenlegt.
AMR26 schreibt eine technische Seite mit drei Kapiteln: ein intern entwickeltes Getriebe erstmals seit 2004, aktive Flügel über die gesamte Runde via Corner Mode und Straight Mode sowie der exklusive Einsatz des 100 % nachhaltigen Kraftstoffs Aramco ProForce+. Hier ist, was diese — regulatorischen und hauseigenen — Entscheidungen konkret verändern und warum sie sowohl für das Team als auch für die Marke zählen.
Das hauseigene Getriebe: 22 Jahre Abwesenheit und eine Wette auf den AMR‑Campus
Die Rückkehr zu einem intern konstruierten Antriebsstrang nach 22 Jahren Abwesenheit zeigt die Ambition des AMR‑Campus. Der Wagen erhält ein sequenzielles 8‑Gang‑Getriebe, das innerhalb des Teams entwickelt wurde, ein für die AMR26 angekündigter Meilenstein. Laut Aston Martin ist es das erste vollständig auf dem Campus entwickelte Getriebe seit 2004 — ein Sprung zu technischer Souveränität, der Verantwortlichkeiten und Entwicklungsspielräume neu verteilt.
Ein „hauseigenes“ Getriebe beweist sich nicht nur auf dem Prüfstand. Es bestimmt die Gesamtverpackung des Hinterwagens, vom Differenzial über die Aufhängung bis zum Packaging des Antriebsstrangs. Durch die Integration dieses strategischen Blocks gewinnt das Team an Gesamtkohärenz und an Reaktionsgeschwindigkeit bei Updates während der Saison. Es ist eine abgewogene Wette: mehr Kontrolle, aber auch die Aufgabe, jede Evolution zu industrialisieren.
Über das Symbol hinaus wird dieses 8‑Gang‑Getriebe zur Schlüsselschnittstelle zwischen ICU und Hybrid genau in dem Moment, in dem sich Energie- und Drehmomentflüsse in der Größenordnung ändern. Die AMR26 macht es zu einem Performance-, aber auch Effizienzorgan, denn das Traktionsmanagement ist nicht mehr nur Sache des Verbrenners.
Das Reglement 2026 und aktive Flügel: Was Corner Mode und Straight Mode konkret ändern
Das Reglement 2026 führt vollaktive Flügel ein, die über die gesamte Runde nutzbar sind, mit zwei Zuständen: Corner Mode für maximalen Abtrieb in Kurven und Straight Mode zur Reduzierung des Luftwiderstands auf Geraden. Anders als beim DRS handelt es sich nicht mehr um ein punktuelles Überholwerkzeug, sondern um ein kontinuierlich modulierbares aerodynamisches Gleichgewicht.
Konkret soll der Straight Mode den Widerstand einklappen, um mehr Leistung in Topspeed zu verwandeln und zugleich den Energieverbrauch zu schonen. Der Corner Mode gibt wiederum Abstützung im Abtrieb zurück, um Mindestgeschwindigkeit und Stabilität beim Bremsen zu erhalten. Das Einsatzfenster weitet sich: ein weniger eingeengtes Set‑up, weniger „Kompromiss“ bei Übersetzungen und Flügeln und ein strategisches Management, das Ingenieurwesen wie Fahrer gleichermaßen einbezieht.
Dieser Wechsel, offiziell mit der Vorstellung der AMR26 auf der Website der Marke verkündet, fügt sich in den Geist der AMR26‑Spezifikationen und eröffnet ein neuartiges Optimierungsfeld zwischen Aerodynamik und Energiedisposition. Man wird lernen müssen, eine Runde anders zu „taktieren“ als mit einem DRS‑Knopf: Das Tempo wird künftig nach Partitur geschrieben.

Aramco ProForce+: 100 Prozent nachhaltiger Kraftstoff, ein Novum in der F1
Die AMR26 fährt mit Aramco ProForce+, einem 100 % nachhaltigen Kraftstoff gemäß FIA‑Vorgaben, dessen exklusiver Erstnutzer in der Formel 1 Aston Martin Aramco sein wird. Die Sache ist nicht kosmetisch: Energiedichte, Flüchtigkeit, Oktanzahl und Materialverträglichkeit wirken sich direkt auf Wirkungsgrad und Zuverlässigkeit des Antriebs aus.
In diesem Rahmen gewinnt die Korrelation Strecke‑Prüfstand an Gewicht. Zu verstehen, wie sich dieser Kraftstoff mit Einspritz- und Zündstrategien verträgt, macht den Unterschied in den Übergangsphasen — Re‑Acceleration, Überholen, Kurvenausgang —, in denen jedes Tausendstel zählt. Es ist Neuland, das es zu erschließen gilt, gerahmt von den Regeln 2026 und erhellt durch die technische Partnerschaft.
Um diesen Wendepunkt in der Markengeschichte einzuordnen, sei daran erinnert, dass das Engagement im Wettbewerb oft als Labor diente. Einen nützlichen Überblick bietet die Seite zum Team Aston Martin Aramco, und verwandte Initiativen auf Markenseite finden sich im Media‑Portal von Aston Martin.
Verstärktes MGU‑K: Warum bidirektionales Drehmomentmanagement die Transmission neu definiert
Das MGU‑K 2026 liefert und rekuperiert signifikant mehr Leistung als die vorherige Generation. Das erzwingt ein Drehmomentmanagement in beiden Richtungen — Traktion und Rekuperation —, das die Karten bei der Kalibrierung von Chassis und Antriebsstrang neu mischt. Die Transmission ist nicht mehr unidirektional: Sie muss höhere, teils gegensätzliche Energieflüsse aufnehmen und modulieren, ohne die Stabilität zu beeinträchtigen.
Über eine Runde wird sich das in markanteren Übergängen zwischen „Push“ und „Harvest“ zeigen. Gaspedal‑, Differenzial‑ und elektrischer Motorbremse‑Kennfelder müssen sich harmonisieren, um das Haftungsfenster zu wahren, Reifenverschleiß zu begrenzen und die Rückgewinnung in geeigneten Zonen zu maximieren. In diesem Kontext wird das interne 8‑Gang‑Getriebe der AMR26 zum Instrument, das alles orchestriert: Präzision der Rückschaltungen, Glättung der Drehmomente und mechanische Dauerhaltbarkeit unter neuartigen Lastkollektiven.
Laut Aston Martin wurde die Architektur der AMR26 auf diesen Hybrid‑Leistungsanstieg ausgelegt. Die Zuverlässigkeit hängt von der Qualität der Integration ab: Kühlung, Gehäusesteifigkeit und Fertigungstoleranzen — Parameter, die nun in derselben Zeile wie die Aerodynamik stehen.

AMR26 im Aston‑Martin‑Kontext: Zwischen erwarteten Sportergebnissen und Markenwert
Diese drei Brüche — interne Transmission, aktive Aero, nachhaltiger Kraftstoff — sind nicht nur technische Versprechen. Sie fügen sich in eine Unternehmensentwicklung, in der sich Sport und Straße austauschen. Der zum Verkauf gestellte Naming‑Rights‑Deal an AMR GP für 50 Mio. £, erwähnt in den FY‑2025‑Ergebnissen der Marke, beleuchtet diese finanzielle und strategische Annäherung zwischen Hersteller und Team. Eine Art, Interessen vom Paddock bis zum Showroom auszurichten.
Die AMR26 wird so zum Erzählinstrument: Wiedergewonnene technologische Eigenständigkeit mit dem Getriebe, bewusst gelebte Reglement‑Moderne mit den aktiven Flügeln, ökologische Glaubwürdigkeit mit Aramco ProForce+. Für Enthusiasten ist es die Bestätigung einer Philosophie, in der Ingenieurwesen zuerst der Kohärenz dient. Für die Marke nährt sich der wahrgenommene Wert eher aus dieser technischen Ernsthaftigkeit als aus Slogans.
Um diese Etappe zeitlich einzuordnen, betrachten unsere Dossiers die großen Meilensteine des Hauses und sein Engagement im Wettbewerb. Lesenswert: unser Panorama über die Geschichte der Marke und ihre sportliche Legende sowie unser Guide zu den Wettbewerbsprogrammen, von Le Mans bis zur Weltmeisterschaft. Und um sämtliche technischen Elemente und Debüts auf der Strecke zu verfolgen, lesen Sie unseren Fokus zur AMR26, ihren Partnern und ihren Debüts.
Fazit — AMR26, drei Brüche im Dienst einer Idee
Mit der AMR26 formen interne Transmission, aktive Flügel über die gesamte Runde und 100 % nachhaltiger ProForce+‑Kraftstoff ein klares Triptychon: mehr Kontrolle, mehr Integration, mehr Effizienz. Das hauseigene 8‑Gang‑Getriebe kehrt zum idealen Zeitpunkt zurück, das verstärkte MGU‑K definiert die Art der Leistungsübertragung neu, und die aktive Aerodynamik versöhnt Spitze und Abtrieb. Das Gesamtbild zeichnet einen 2026er, der nicht verspricht: Er organisiert sich. Das ist oft die beste Basis für Performance.


