Vantage GT3 Sao Paulo 2026: Rückblick auf die 6 Stunden von Interlagos aus dem Cockpit der Startnummer 23 THOR, 4. WEC-Lauf der Saison.
Vantage GT3 Sao Paulo, das ist die Geschichte von sechs Stunden, gesehen aus dem Sitz der Startnummer 23 von The Heart of Racing (THOR), mitten in Interlagos. Auf dem Programm: ein vierter WEC‑Lauf mit hoher Intensität, eine Strategie unter Druck und ein Schlüsselmoment mit der Ferrari 83 – vor dem Hintergrund des Aston‑Martin‑Erbes in Brasilien. Hier die Kernerkenntnisse, Stoppuhr im Blick und die Nerven kühl.
Das Autódromo José Carlos Pace und Aston Martin: ein vertrautes Jagdrevier
Interlagos verzeiht nicht, aber es belohnt Konstanz. Seit den Anfängen der WEC auf dem Autódromo José Carlos Pace hat Aston Martin dort eine besondere Bilanz aufgebaut: Die Marke ist die einzige, die mehrere LMGT3‑Podien in São Paulo eingesammelt hat, und hält den Rekord von acht GT‑Top‑3 auf dieser Strecke. Eine Statistik, die in der mentalen Waagschale einer Crew schwer wiegt, zumal das Rennen als vierter von acht Läufen eines eng getakteten Meisterschaftskalenders ausgetragen wird.
Dieses 4,309‑km‑Band mit Höhenunterschieden und Kurven mit zusammengesetztem Radius spielt mit der Ausdauer wie ein launischer Metronom. Das Gleichgewicht zwischen Mechanik und Reifenhaushalt ist dort entscheidend: die Linie in Pinheirinho halten und auf dem Weg hinab nach Junção Durchatmen – das ist oft der Unterschied zwischen Reagieren und Gestalten. Genau hier konnte sich die DNA der GT von Aston – sauberes Chassis, gut lesbare Hinterachse – immer wieder entfalten.
Vor diesem Hintergrund war der Start bei der Rolex 6 Stunden von São Paulo 2026 (10.–12. Juli) für Gaydon kein Sprung ins Unbekannte. Das Terrain war vertraut, die Erwartungen klar: das GT‑Erbe verteidigen und zugleich auf Konstanz setzen. Die übergreifende Referenz fasste sich für Fans wie Strategen in einem Schlüsselwort zusammen: Effizienz.
Das THOR‑Programm 2026: zwei Vantage, ein neues Fahrertrio für die Nummer 23
2026 setzt The Heart of Racing erstmals zwei Vantage GT3 in der WEC ein, wobei die Startnummer 23 das zuvor von Racing Spirit de Léman betriebene Programm übernimmt. Dieser strukturelle Ausbau fügt sich in Aston Martins Ziel ein, bei dieser ersten LMGT3‑Kampagne mit zwei Autos für THOR einen 12. GT‑Weltmeistertitel im WEC anzuvisieren.
In São Paulo wurde die Nummer 23 Gray Newell (USA), Jonny Adam (GBR) und Kobe Pauwels (BEL) anvertraut, während Eduardo Barrichello in der IMSA gebunden war. Als prägende Figur des britischen Langstreckensports kam Jonny Adam mit zwei Klassensiegen bei den 24 Stunden von Le Mans, vier British‑GT‑Titeln und 36 WEC‑Starts nach Interlagos. Eine Art Rundumversicherung – zumindest methodisch.
Über die Namen hinaus überzeugt die Kohärenz des Projekts: zwei Autos, geteiltes Daten‑ und Set‑up‑Management und ein pragmatisches Aufwärmen. Für alle, die tiefer einsteigen wollen, ordnet unser Dossier zum WEC‑Programm 2026 mit zwei THOR‑Fahrzeugen dieses Rennen hilfreich in die Teamtrajektorie ein.

Das Rennen von innen: sechs Stunden Strategie und Zwischenfälle in Interlagos
Im Cockpit erlebt sich São Paulo in Stößen: dichter Verkehr, wechselnde Temperaturen, Tankfenster, die man auf die Minute justiert. Die Vantage GT3 Sao Paulo war entsprechend von feinem Stintl‑Management und einem Schlüsselmoment geprägt: Die Ferrari 499P mit der Startnummer 83 wurde nach einer Kollision mit der Aston Martin Nummer 23 bestraft. Ein klarer und zugleich frustrierender Rennzwischenfall, der die LMGT3‑Gleichung für die THOR‑Crew neu aufsetzte.
Der Rest war klassisches Endurance‑Handwerk: Reifen im zweiten Stint schonen, sich im Hypercar‑Verkehr behaupten und saubere Boxenstopps umsetzen. Auf der Anzeigetafel krönte die Klassenhierarchie die Corvette mit der Nummer 34 von Racing Team Turkey by TF (Eastwood/Yoluc/Dempsey) als souveräne LMGT3‑Siegerin. Im Rampenlicht gewann in der Hypercar‑Kategorie die BMW mit der Nummer 15 (Magnussen/Vanthoor/Marciello), zweiter Sieg 2026 für BMW WRT laut offiziellem WEC‑Resümee.
Aus dem Sitz betrachtet, zählte im Wesentlichen dreierlei: in den Kompressionen nichts herschenken, stabile Temperaturen halten und beim nächsten Volltanken eine Reserve wahren. Der THOR‑Stil, ruhig und zugleich scharf, blieb unverändert: Runde für Runde arbeiten, die nächste Runde gegenrechnen. Für einen immersiven Eindruck der Disziplin zeigt dieses Onboard‑Referenzvideo aus Interlagos Tempo und Verkehrsdichte in einem Standard‑Stint.
Der Vantage GT3 im Detail: V8 Biturbo, Aluminium‑Chassis und 14 aufeinanderfolgende WEC‑Saisons
Das schlagende Herz bleibt der V8 Biturbo mit 4,0 Litern, montiert in einem verklebten Aluminium‑Chassis, direkt aus der Architektur des Straßenwagens abgeleitet. Diese Wahl steht für die GT‑Philosophie von Aston Martin: eine seriennahe, steife und leichte Basis, gemacht für die Belastungen eines Weltkalenders. Dieser Unterbau verleiht dem Auto seine präzise Vorderachse und den berechenbaren Anpressdruck in den langen Belastungsphasen von Interlagos.
Diese Straße‑zu‑Rennstrecke‑Verwandtschaft ist nicht nur Rhetorik: Sie prägt sowohl die Abstimmung als auch die Einsatzstrategie. Um dieses technische Kontinuum zu erfassen, beleuchtet unsere Seite zur Vantage der zweiten Generation und ihrer Architektur die DNA, die das Renntool unterfüttert.
Die andere treibende Kraft ist der Mensch. Mit dem Wechsel zu THOR für den weltweiten Angriff 2026 mit der Vantage brachte Jonny Adam eine fein kalibrierte Langstreckenerfahrung ein. Von São Paulo bis Fuji zeigt sich das in gezielteren Push‑Fenstern, einer sparsameren Lesart des Verkehrs und der Fähigkeit, die Mechanik „atmen zu lassen“, ohne das Tempo zu verlieren.
Bilanz des vierten Laufs und Ausblick auf den weiteren WEC‑Jahrgang 2026
Das São‑Paulo‑Fazit ist so sehr Strecke wie Kontext. In einer umkämpften LMGT3 spielte die Vantage GT3 Sao Paulo mit der Startnummer 23 ihre Partie mitten in einem dichten Feld, mit einer Strafe für die Ferrari 83 nach dem Zwischenfall, die das Rennen neu zeichnete. Dem gegenüber blieb die THOR‑Ausführung methodisch, setzte auf saubere Stints und langfristige Reifenstabilität.
In der Meisterschaft bleibt das Ziel klar: Aston Martin peilt 2026 einen 12. GT‑Titel im WEC an, und die Zwei‑Auto‑Struktur muss Konstanz weiter in Punkte ummünzen. Der Klassensieg für Corvette 34 und der Hypercar‑Erfolg von BMW 15 zeigen die Dichte des Feldes: überall punkten, jederzeit. Um diese brasilianische Etappe im Saisonauftakt einzuordnen, dient unsere Zusammenfassung der Siege 2026 am Paul Ricard und in Okayama als Maßstab – bis es weitergeht.
Interlagos erinnerte an eine einfache Regel: Eine Runde kann alles verändern, doch die Summe der Runden macht das Ergebnis. In diesem Spiel der konzentrierten Ausdauer lieferte die Vantage eine solide Vorstellung, reich an Lehren für die kommenden Läufe. Kurs und Methode stehen.
Fazit — Vantage GT3 Sao Paulo, britische Präzision unter brasilianischem Druck
Letztlich steht Vantage GT3 Sao Paulo für die moderne Langstrecke: dichter Verkehr, Strategie unter Zwang und Zwischenfälle, die es zu verdauen gilt, ohne die Linie zu verlieren. Mit ihrem V8 Biturbo im Aluminium‑Chassis und der Souveränität einer erfahrenen Crew spulte die THOR‑Startnummer 23 in Interlagos einen stimmigen Plan ab. Für die hauseigenen Perspektiven und die Markennews bieten die offizielle Seite Aston Martin und die zugehörige Enzyklopädieseite einen hilfreichen Zusatz. Der weitere WEC‑Jahrgang 2026 wird zeigen, ob sich diese starke Basis in schwere Punkte ummünzt – leise, aber nachhaltig.


